Liberating Structures – Struktur, die befreit

By am 23.01.2018 in Agile, Allgemein, Kommunikation, Scrum

Vor 2 Jahren (gestern auf den Tag genau) haben wir auf dem Culture Hacking Meetup, das erste mal über die Liberating Structures erfahren. Seit dem sind wir große Fans davon und haben Sylvia geholfen in Berlin eine sehr lebendige Community aufzubauen. Es gibt zwei Gründe für diesen Blogpost:

Erstens ist es eigentlich überfällig, dass wir mal in unserem Blog darüber schreiben, was so großartig an den Liberating Structures ist. Und zweitens gibt es im März einen ganz besonderen 2-tägigen Workshop in Berlin zwei von drei Gründern / Powerusern der Liberating Structures den ich allen Lesern dieses Blogs sehr ans Herz legen will. Ich, Anton hier, werde auch da sein und verdiene nix an dieser Werbung :-).

Typische Herausforderung – Meetings

Fast alle Organisationen, die ich kenne, betrachten Zeit in Meetings als etwas, das man reduzieren möchte. Selbst Meetings, in denen wichtige Fragen behandelt werden, die alle Beteiligten interessieren, zerren in der Regel die Energie aller Beteiligten aus. Gleichzeitig, wenn man Menschen in Organisationen fragt, was sie sich mehr wünschen, ist häufig mehr gegenseitiges Verständnis, gemeinsame Richtung, Zusammenarbeit, Verbundenheit und gegenseitige Unterstützung die Antwort. Nun sind Meetings natürlich nicht das einzige Mittel, um diese Dinge zu erreichen. Aber ganz ohne, dass eine Gruppe von Menschen sich zu einem Zeitpunkt gegenseitig erlebt, wird sie sich nie als etwas Gemeinsames begreifen.

Wie organisiert man die gemeinsame Arbeit von Gruppen von Menschen so, dass sie effektiv ist und gleichzeitig alle miteinander verbindet? Es gibt da natürlich einige gute Standardmittel: klare Agenda festlegen, Moderator haben, Formate für Entscheidungsfindung. Häufig reichen diese aber nicht aus. Insbesondere wenn komplexe Fragen zu klären sind, die sich im Verlauf des Meetings ändern.

Wenn sie eine ganz andere Art von Atmosphäre und Effektivität von Zusammenarbeit in Gruppen erleben möchten und lernen möchten diese selbst herzustellen, dann sind die Liberating Structures etwas für sie.

Strukturen die befreien

Mit Struktur ist hier ein Rahmen, in dem Menschen mit bestimmten Vorgaben mit einander interagieren, gemeint. Ein Vortrag ist zum Beispiel eine Struktur, bei der in der Regel eine Person redet und am Ende Fragen des Publikums beantwortet. Eine Podiumsdiskussion ist ein anderes Beispiel für eine Struktur. Strukturen hemmen einige Dinge und befördern andere. Ein Vortrag befördert den Informationsfluss und Verbundenheit von Redner mit dem Publikum und hemmt (in der Regel) die Interaktion, Austausch, Kreativität, Verbundenheit des Publikums miteinander.

Was sind die Liberating Structures

Liberating Structures ist eine Sammlung von ca. 33 Strukturen, die miteinander verbunden werden können um komplexe Probleme mit Gruppen zu lösen. Jede dieser Strukturen dient einem anderen Ziel und kann je nach Kontext besser oder schlechter geeignet sein. Sie heißen liberating, zu deutsch befreiend, in dem Sinne dass sie eine ganze Menge Dinge, die sonst in einer großen Gruppe schwer sind, leichter machen.

(Es ist wirklich schwer so etwas in einem Blogpost zu vermitteln, aber ich versuche es.) Bei einer der einfachsten Strukturen – Impromptu Networking – sind die Teilnehmer einer Veranstaltung (häufig zu Anfang) eingeladen, mit einer anderen Person sich für ca. 2 Minuten zu zwei persönlich wichtigen Fragen rund um das Thema der Veranstaltung zu unterhalten. Nach 2 Minuten suchen sie sich einen neuen Partner und haben wieder 2 Minuten für die gleiche Aufgabe. Das passiert 3 mal, jeder hat mir 3 anderen Personen sich über diese zwei Fragen unterhalten.

Wir haben diese Struktur in unseren Meetups häufig verwendet und dann die Teilnehmer gefragt, was für sie durch diese Struktur “befreit” wurde. Die Teilnehmer berichten, dass sie durch Fragen und Vorgaben sich sofort über wichtige Dinge mit anderen unterhalten haben. In anderen Settings, hätten sie sich das häufig nicht getraut und eher Small Talk betrieben oder sich gar nicht erst auf Unterhaltungen eingelassen. Es brauchte weniger Mut auf weniger bekannte Menschen zuzugehen, da die Struktur es von ihnen verlangte. Am Ende von diesen 10 Minuten sind viele neue Verbindungen in der Gruppe entstanden und alle sind in der Regel beim Thema des Meetings angekommen.

Liberating Structures – ein Werkzeug für wen?

Meetings die verlässlich funktionieren und Ergebnisse bringen sind ein wichtiger Bestandteil von Agilität in Organisationen. Deshalb gehört die Moderation dieser zu unserem Handwerkszeug. Aber Lernen und Anwenden von Liberating Structures macht aber mehr als nur Moderation zu lernen. Komplexe Probleme in Organisationen kann man unterschiedlich lösen. Viele werden häufig von sehr wenigen Menschen oben in der Hierarchiekette gelöst, weil es schlicht nicht anders nicht funktioniert hat.

Aber in der heutigen Welt ist es schwer “oben” genug Informationen zu haben um wirklich gute Lösungen für Herausforderungen zu finden. Und die Zeit dafür fehlt bei den wenigen Person auch. Viele Führungspersonen würden gern Menschen in ihren Organisationen befähigen selbst Probleme zu lösen. Aus meiner Sicht, sind Liberating Structures dafür eine wichtige Antwort.

Was ist dieses Workshop?

Am 15./16. März wird in Berlin ein zwei-tägiges Eintauchen in Liberating Structures möglich. Es kommen Co-Erschaffer von Liberating Structures Keith McCandless und ein Power-User Fisher Qua nach Berlin und gestalten diese zwei Tage zusammen mit den Teilnehmern. Unser Leitthema wird Culture-Hacking mit Hilfe von Liberating Structures sein. Es ist die Gelegenheit eine andere Art von beruflicher und fokussierter Interaktion mit anderen zu erleben und sich in einer sicheren Umgebung selbst als Moderator auszuprobieren und daraus zu lernen. Mehr dazu und zur Anmeldung. Eine Sache gibt es zu beachten: Dieses Workshop findet vor allem in Englisch statt.

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