Scrum Master – Die Rolle im Detail

By am 28.07.2018 in Scrum

Scrum Master ist eine von drei Rollen im Scrum-Framework. In diesem Beitrag beschreiben wir im Detail, was es bedeutet ein Scrum Master (kurz SM) zu sein. Wir sprechen über wichtige Eigenschaften, Fähigkeiten und Tätigkeiten und wie man sich diese aneignen kann.

Scrum Master Flipchart

Dieser Artikel umfasst mehr als 3000 Worte und es kann sinnvoll sein, ihn in mehreren Durchgängen zu lesen. Für eine leichtere Orientierung ist hier das Inhaltsverzeichnis:

Hauptziel

Das Hauptziel eines Scrum Masters kann man sehr kurz zusammenfassen: Es besteht darin seine Organisation und insbesondere sein Team zu Spitzenleistungen zu führen.

Warum braucht es einen Scrum Master?

Die Rolle des Scrum Masters ist so ausgelegt, dass er auf Dinge achtet, die in der Regel zu wenig oder keine Beachtung finden. Und das worauf man achtet, hat eine sehr große Bedeutung. Das folgende Video-Experiment führt es Ihnen sehr anschaulich vor:

Grundlegendes Vorgehen

Grundsätzlich arbeitet ein SM an einer menschlichen Organisation, also an einem komplexen System. Komplex benutzen wir hier im Sinne von Cynefin, d.h. es ist unmöglich vorher sicher zu wissen, welche Handlungen welches Ergebnis haben werden. Man kann nur im Nachhinein eine kausale Erklärung liefern.

Deshalb geht ein guter SM wie ein Experimentator vor. Wenn er etwas beobachtet, dass er für signifikant hält, fragt er sich:

  1. Welche Hypothese bietet sich mir mit dieser Beobachtung an?
  2. Was wären die wirtschaftlichen oder emotionalen Konsequenzen, wenn meine Hypothese zutrifft?
  3. Was könnten die tieferliegenden Ursachen dafür sein?
  4. Was könnte ich diesbezüglich konkret tun, welche Bitte oder welchen Vorschlag könnte ich äußern, um das Problem zu beheben?
  5. Woran würde ich merken, dass es besser wird?

Diese Art von Vorgehen erfordert (neben anderen Eigenschaften, siehe nächsten Abschnitt) ein hohes Maß an persönlicher Reife, andernfalls kann es verlockend sein zu glauben man wüsste (besser als alle anderen) was zu tun ist, obwohl man in Wirklichkeit nur sehr unvollständige Information hat.

Eigenschaften

Ein Scrum Master braucht für die Ausübung seiner Rolle keine Autorität. Falls er sie dennoch hat, kann sie ihn unter Umständen in seiner Arbeit sogar behindern.

Frustrationstoleranz und Ausdauer, denn Veränderungen in Menschen und Organisationen braucht Zeit und viel Wiederholung.

Er verkörpert die Scrum Werte und ist dadurch ein Vorbild für andere:

Offenheit – Er spricht schwierige Dinge offen an und geht mit Problemen transparent um. Probleme transparent zu machen, ist eins der am häufigsten eingesetzten Mittel.

Respekt – Er respektiert die Verschiedenartigkeit aller Menschen und ist in der Lage Zusammenhänge aus verschiedensten Kontexten und Perspektiven zu sehen. Das ermöglicht es ihm mit anderen empathisch zu kommunizieren.

Mut – Ein Scrum Master braucht Mut, um Schwierigkeiten die sich andere nicht trauen anzusprechen ans Tageslicht zu bringen. Häufig wird durch seine Unterstützung ein mutigeres Auftreten seiner Teammitglieder möglich.

Selbstverpflichtung – Er fühlt sich seiner Organisation und seinem Team gegenüber verpflichtet sein Bestes zu geben. Für die anderen ist es spürbar, dass er sich wirklich um sie sorgt. Das hilft ihnen ihm mehr zu vertrauen.

Fokus – Von vielen möglichen Herausforderungen fokussiert er sich auf wenige, die es im Moment am meisten Wert sind, angegangen zu werden. Seinen Einsatz führt er ausdauernd zu einer fühlbaren Verbesserung oder einem für ihn sinnvollen Ende. Erst danach widmet er sich neuen Herausforderungen zu. Ein Scrum Master hilft auch häufig in Meetings, in dem er darauf achtet, dass die Gruppe auf ihre gemeinsame Aufgabe fokussiert bleibt.

Grundlegende Fähigkeiten

Beobachten und Zuhören

Eine der wichtigsten Fähigkeiten eines Scrum Master ist es Dinge geschehen zu lassen, beobachten zu können und die Dinge zu bemerken, die einerseits signifikant sind aber der Aufmerksamkeit der anderen eher entgehen. Dazu muss der SM dort sein, wo die Arbeit passiert und wissen worauf es ankommt.

Kommunizieren

Die zweite grundlegende Fähigkeit eines SM ist es klar und empathisch zu kommunizieren. Er spricht im Alltag mit Menschen mit sehr unterschiedlichen Perspektiven. Und er spricht häufig über Herausforderungen, die systematisch und oft auftreten. Die Fähigkeit schwierige Gespräche zu führen gehört deshalb in seinen täglichen Werkzeugkasten. Hier ist essentiell das Problem auf den Punkt bringen zu können und dem anderen ggf. zu vermitteln, dass man seine Position und Bedürfnisse anerkennt und Mitgefühl mit seiner Position hat.

Wenn man mit Menschen in verschiedenen Kontexten kommuniziert, hilft es sehr auf Dinge aufzubauen, die unstrittig sind. Dafür ist es wichtig, Beobachtungen von der eigenen Interpretation unterscheiden zu können. Beobachtungen sind Dinge, die man unmittelbar wahrnimmt, d.h. sieht, hört, riecht, etc. Darüber sollte es grundsätzlich Einvernehmen geben können. In einer Interpretation fügt man der Beobachtung bereits eigene Glaubenssätze, Erfahrungen und Einschätzungen hinzu. Es ist für das Gegenüber in der Regel sehr viel schwerer eine Interpretation anzunehmen als eine Beobachtung.

Sechs Tätigkeiten eines Scrum Masters

Wir unterscheiden 6 verschiedene Tätigkeiten eines SM, die wir im Weiteren vorstellen. Es gibt zwischen diesen Mischformen und fließende Übergänge, es ist aber für das Verständnis hilfreich sie einzeln anzuschauen.

Lehren

Definition of Done Flipchart

Insbesondere wenn die Organisation bei der Einführung von Scrum noch am Anfang steht, braucht es häufig einige Trainingselemente, die der Scrum Master für das Entwicklungsteam oder das Management einer Organisation durchführt. Das Ziel dabei ist es ein gemeinsames Grundverständnis von Scrum aufzubauen. Aber auch später in der weiteren Tätigkeit gibt es immer wieder Momente, in denen Menschen auf den SM zugehen und bestimmte Aspekte und Zusammenhänge besser verstehen wollen. In diesen Situationen tritt er als Lehrender auf.

Beispiel einer SM-Herausforderung im Bereich Vermittelung von Scrum:

Im Gespräch eines internen Fachexperten und eines Entwicklers aus dem Team, versucht der Fachexperte den Entwickler davon zu überzeugen ein weiteres Feature zu implementieren. Der Entwickler versucht sich mit dem Körper immer wieder von Gesprächspartner wegzudrehen und einen Schritt zu machen. In diesem Moment wird der Fachexperte physisch aktiver und lauter. Es geht mehrmals hin und her. Eine Scrum Masterin beobachtet diese Situation, wie könnte sie sich verhalten?

Mentoring

Mentoring

Ein Scrum Master tritt dann als Mentor auf, wenn er seine Fähigkeiten an eine andere Person weitergibt. Anders als bei Trainings passiert dies i.d.R. eins zu eins und zwar direkt bei der Arbeit. Dazu ist es natürlich notwendig, dass der SM in dem, was er vermittelt, selbst auch kompetent ist. Viele Scrum Master haben einen Hintergrund als Entwickler und können ihre Teammitglieder darin unterstützen zu lernen, wie man sauberen Code schreibt. Andere haben einen Hintergrund als Produktmanager und können ihren Product Owner unterstützen. Mentoring bedeutet nicht, die Arbeit für jemanden zu machen, sondern dem anderen direkte fachliche Anleitung und Feedback zu geben.

Man wird als Mentor besonders wirksam, wenn man mit der Haltung eines Coaches vorgeht. Das bedeutet zum Beispiel, dass man einem Mentee dabei hilft sein Problem selbst zu lösen, statt eine fertige Lösung anzubieten.

Beispiel von SM-Vorgehen im Bereich Mentoring:

Eine Scrum Masterin beobachtet ihren Product Owner, wie dieser ein Meeting mit seinen Stakeholdern durchführt und macht sich Notizen. In einem nachfolgenden Meeting, spiegelt sie dem Product Owner was sie beobachtet hat, was sie daran gut fand und was sie anders gemacht hätte und wie.

Coaching

Coaching

Im Coaching bietet der Scrum Master keinen eigene fachlichen Input und gibt auch keine Ratschläge. Stattdessen bietet er dem Coachee seine Aufmerksamkeit an, während dieser an seiner Herausforderung arbeitet. Die Aufmerksamkeit ist dabei nur sekundär auf die Herausforderung des Coachees gerichtet- primär richtet sie sich auf den Coachee selbst. Durch aktives Zuhören und weitere Coachingkompetenzen wird der Coachee darin unterstützt sein eigenes Denken und Fühlen zu reflektieren. Dadurch erleben Coachees Aha-Momente, die ihr persönliches Wachstum unterstützen, so dass Ihnen immer mehr Möglichkeiten zur Verfügung stehen, um wirksam mit Ihren Herausforderungen umzugehen.

Der SM ist auch Coach für das Entwicklungsteam als Ganzes. Es gibt insbesondere bei neuen Teams häufig eine bestimmte Herausforderung auf die wir hier einzeln eingehen wollen, weil sie so bedeutend ist: Sicherstellen, dass die einzelnen Teammitglieder ihre gemeinschaftliche Verantwortung wahrnehmen:

In Scrum tragen die Mitglieder des Entwicklungsteams gemeinschaftlich die Verantwortung für das Ergebnis und die Qualität ihrer Arbeit. Für die meisten Menschen ist das ungewohnt. In vielen Unternehmen hat jeder einen Vorgesetzten und dieser gibt einem persönliche Aufgaben und Verantwortlichkeiten. Die Umstellung auf gemeinschaftliche Verantwortung ist der Kern von Scrum. Damit dies gelingt, braucht es häufig einerseits Änderungen in der formalen Organisationsstruktur und andererseits auch Änderungen in der persönlichen Haltung der Mitarbeiter. Bei der zweiten Veränderung spielt der Scrum Master als Coach eine sehr wichtige Rolle.

Wie macht man das? Kurz gesagt, man macht das Team immer wieder an allen relevanten Stellen auf die eigene Verantwortung aufmerksam und hilft diesem diese wahrzunehmen. Alle Probleme, die dem Team klar werden, soll das Team auch selbst lösen. Wenn es diese nicht zu lösen versucht, entzieht es sich der eigenen Verantwortung und schon nach kurzer Zeit haben die einzelnen Teammitglieder weniger Vertrauen in ihr Team. Externen Stakeholdern und Managern geht es ggf. ähnlich, was im schlechtesten Fall dazu führen kann, dass individuelle Verantwortlichkeiten über Umwege wieder eingeführt werden (was die gemeinschaftliche Verantwortung noch weiter schwächt).

Um hier Erfolg zu haben, braucht man ein klares Verständnis von Scrum und dessen Mechanik. Man muss zum Beispiel klar verstehen, dass das Entwicklungsteam sich mit anderen Akteuren eine Arbeitsregel – “Definition of Done” setzt, die es beschließt zu erfüllen. Nur wirklich “Done”-fertige Arbeitsergebnisse werden externen Stakeholdern gezeigt. Wird gegen diese eigene Regel verstoßen, macht ein SM darauf aufmerksam und auch darauf, was passiert, wenn man seine eigene Regel weiter missachtet. Kann ein Scrum Master sein Team zu irgendetwas zwingen? Nein. Er hat keine formale Autorität, was auch hier sehr wichtig ist.

Wir vertrauen in Scrum darauf, dass wir mit erwachsenen Menschen arbeiten und behandeln diese auch so. Dann werden sie sich auch in anderen Bereichen, erwachsen verhalten.

Häufig braucht ein Team auch Hilfe dabei Entscheidungen zu treffen. Ist man als Einzelperson verantwortlich, entscheidet man einfach alles selbst. Als Team ist das nicht so einfach möglich. Es gibt viele verschiedene Formate mit deren Hilfe eine Gruppe von Menschen etwas entscheiden kann. Ein SM kennt einige und kann dem Team helfen, diese schnell anzuwenden. Beispiele sind: Absolute oder einfache Mehrheit, Delegation der Entscheidung an Einzelne oder an Untergruppen, Delegation in Kombination mit der Verpflichtung zur Konsultation, systemisches Konsensieren und viele mehr.

Beispiel einer SM-Herausforderung im Bereich Coaching:

Das Produkt an dem das Entwicklungsteam arbeitet, wird von vielen Vorschriften und Gesetzen reguliert und muss viele Checks durchlaufen, nachdem es das Team verlässt. Nach dem am Anfang eine sehr anspruchsvolle Definition of Done (DoD) vereinbart wurde, fühlt sich das Entwicklungsteam von der DoD aufgehalten. In der Sprint Retrospective möchte das Entwicklungsteam entscheiden, die Menge der Tests in der DoD zu reduzieren. Die Produkt Ownerin ist einverstanden mit der Änderung und hofft auf schnelleren Fortschritt. Die Scrum Masterin weiß, dass das Team im letzten Sprint einen wichtigen Defekt durch die detaillierten Tests gefunden hat. Wie könnte sie sich verhalten?

Mediation von Konflikten

Konflikt

Typischerweise durchläuft eine Gruppe von Menschen die 4-Phasen von Bruce Tuckman, bevor es zu einem wirklich gut funktionierenden Team wird.

  • Forming: Am Anfang lernen sich alle Mitglieder erst kennen, man findet sich als Gruppe. Die Notwendigkeit als Gruppe etwas zu liefern ist noch nicht sehr präsent. Deshalb braucht niemand auf möglicherweise auftretende persönliche Differenzen einzugehen.
  • Storming: Wenn die Gruppe anfängt an ihren Zielen gemeinsam zu arbeiten, kommen automatisch Differenzen zu Tage. Führungsanspruch in verschiedensten Fachbereichen, Status in der Gruppe, verschiedene persönliche Ziele, konkrete Art und Weise miteinander zu arbeiten, das alles steht in Frage. In einigen Bereichen haben Gruppenmitglieder ähnliche Erwartungen und die Zusammenarbeit klappt auf Anhieb gut. In anderen Bereichen entstehen aber offene oder verdeckte Konflikte.
  • Norming: In dieser Phase findet die Gruppe gemeinsame Normen und Regeln, wie sie mit den entstandenen Konflikten umgehen wollen. Viele dieser Übereinkünfte sind unausgesprochen und implizit, während andere explizite Gespräche und gemeinsam aufgeschriebener Regeln bedürfen.
  • Performing: In dieser Phase haben wir es mit einem gut funktionierenden Team-Organismus zu tun. Das Team verfolgt ein gemeinsames Ziel, Mitglieder unterstützen und wertschätzen sich gegenseitig. Abweichende Meinungen in der Sache werden ausgesprochen, akzeptiert und fördern die Kreativität des Teams.
funktionierendes Team

Die Arbeit des Scrum Masters besteht darin, diesen Team-Entwicklungsprozess zu fördern. Das heißt häufig vor allem zwei Dinge:

  • Sicherstellen, dass die sich in Konflikt befindenden Ansichten in Gesprächen miteinander geteilt werden. Dass der Konflikt also tatsächlich ausgetragen wird. Wenn Teammitglieder es nicht schaffen konstruktiv über ihre Differenzen zu sprechen kann das Team beliebig lang im Storming Zustand bleiben.
  • Einige Normen und Regeln, die sich das Team gibt, sind sehr wichtig. Ein SM erkennt diese und macht sie besonders transparent. Beispiel: Ein Team hat sich als Regel gegeben, bei jeder Diskussion 1 Minute Denkzeit in Ruhe zu geben, bevor sie angefangen zu sprechen. So haben alle, auch die introvertierten Teammitglieder, die Möglichkeit am Gespräch teilzuhaben.

Beispiel einer SM-Herausforderung im Bereich Konflikt Mediation:

Entwickler A kann schöne Designs erstellen und kennt sich mit HTML und CSS aus und macht das alles sehr gern. Entwicklerin B kann das auch gut und kennt sich gut im Design von Nutzer-Interaktionen aus. Wenn beide ins gleiche Team kommen, finden sie negative Punkte an den Arbeitsergebnissen des jeweils anderen. Nach einiger Zeit stellen Sie als SM fest, dass an Produkt Backlog Einträgen immer nur jeweils A oder B arbeitet aber nicht beide zusammen.

Was könnten konkrete ökonomische oder psychologische Auswirkungen sein? Was würden sie tun?

Facilitation und Moderation

Facilitation einer Gruppenübung

Facilitation bedeutet auf Englisch: Etwas fördern, erleichtern oder ermöglichen. Viele der anderen hier aufgeführten Tätigkeiten fallen auch darunter. Deshalb wird im deutschsprachigen Bereich Facilitation häufig vor allem als Moderation einer Gruppe verstanden.

Ein Moderator hilft der sich treffenden Gruppe dabei, ihre Ziele fokussiert zu erreichen. Dazu kennt ein Scrum Master viele verschiedene Formate für produktive Gruppenarbeit und kann diese teilweise auch spontan in einer Situation anwenden.

Ein Weg über Moderation nachzudenken ist es die folgenden 5 Komponenten in einem Meeting bewusst zu gestalten (Diese Komponenten sind die 5 DNA Komponenten der Liberating Structures):

  1. Einladung Welche Frage beantworten wir als Gruppe. Zum Beispiel: Sprint Retrospektive – “Wie arbeiten wir zusammen und was können wir im nächsten Sprint verbessern?” oder beim Dot-Voting “Verteile bitte zwei Punkte an die Vorschläge, die wir als erstes angehen sollten.”
  2. Raumanordnung und verfügbares Material Zum Beispiel für eine typische vor-Ort Sprint Retrospektive: Whiteboard, Stickies und große Stifte in einem Raum ohne Tisch.
  3. Facilitationsmaterial

  4. Verteilung der Beiträge Zum Beispiel: alle Teilnehmer gleichmäßig oder einige Teilnehmer geben Input und die anderen stellen Fragen.
  5. Zusammensetzung der Gruppen Zum Beispiel: alle Gruppen bestehen aus Teilnehmern mit allen Meinungen zu einem Thema oder Gruppen bestehen aus Teilnehmern mit ähnlichen Ansichten, die sich später gegenseitig Dinge vorstellen.
  6. Abfolge der Schritte Zum Beispiel: Zuerst beantworten alle eine Frage allein für 1 Minute. Dann tauschen sich zwei Personen aus über ihre Antworten für 2 Minuten aus. Dann kommt die Gruppe zusammen und sammelt die so entstandenen Ideen.

Zusätzlich gibt es einfache Muster für Facilitation von Gruppen, die fast überall anwendbar sind, hier sind einige:

  • Meetings damit beginnen, dass das Ziel kurz genannt und sichtbar festgehalten wird. Wenn es unklar sein sollte, fragt man alle: “Welches Ergebnis erwartest Du von diesem Meeting?”.
  • Bei neuen aufkommenden Fragen allen Teilnehmern erstmal 1-2 Minuten geben um ihre Gedanken zum Thema zu sammeln, bevor die Diskussion beginnt.
  • Bei abstrakten Diskussionen, z.B. über Code oder Architektur: Abbildungen auf einem Whiteboard oder Flipchart verwenden, um die besprochenen Zusammenhänge festzuhalten.

Zwei Beispiele einer SM-Herausforderung im Bereich Konflikt Facilitation:

Drei Entwickler unterhalten sich seit 10 Minuten über Architekturfragen und der Ton wird langsam lauter, es sind immer mehr “Aber!” zu hören. Was könnte man tun?

In einem Meeting spricht eine Person (Entwickler, Manager oder Product Owner) mehrere Minuten. Sie wird immer wieder still und schaut fragend um sich, es kommt aber keine Rückmeldung oder Frage von den anderen Anwesenden. Die vortragende Person wirkt danach nervöser und wiederholt noch einmal das Gesagte in anderen Worten. Was könnte man tun?

Beratung für Organisationsdesign

Die Einführung von echtem Scrum bringt für fast alle Organisationen eine Veränderung ihrer Struktur mit sich. Das ist umso wichtiger, je größer die Organisation wird. In kleinen Organisationen von z.B. 10 Menschen ist die formale Organisationsstruktur nur bedingt wichtig. Vieles wird in persönlichen Gesprächen geklärt und von persönlichen Beziehungen festgehalten.

Die Umstellung auf Scrum hat in der Regel Auswirkungen auf: Hierarchien, Rollen- und Team-definitionen und die damit zusammenhängenden Verantwortungsstrukturen, Gehaltsstrukturen und Anreizsysteme, Budgetplanungsprozesse, etc.

Ein guter Scrum-Master hilft den Verantwortlichen in der Organisation diese Auswirkungen zu verstehen und mit diesen bewusst umzugehen.

Beispiel einer SM-Herausforderung im Bereich Organisationsdesign:

Das Unternehmen hat zwei Frontend- und zwei Backend-Entwickler, die von jeweils einem Lead geführt werden und einen Tester. Es soll Scrum eingeführt werden. Welche Organisations-Veränderungen werden bei der Einführung passieren müssen? Was ist dazu notwendig?

Scrum Master Ausbildung

Wo und wie lernt man diese verschiedenen Fähigkeiten? Einerseits gibt es einige Möglichkeiten, wie man sich die notwendigen Skills aneignen kann. Andererseits ist es aber auch sehr wichtig – Praxiserfahrung zu sammeln, am besten in mehreren verschiedenen Rollen. Das hilft auf verschiedene Weise:

  • Authentische Empathie für verschiedene Sichtweisen kommt auch daher in verschiedenen Perspektiven selbst tätig gewesen zu sein.
  • Es hilft verschiedene Organisationen und Teams erlebt zu haben, weil man dann verschiedene Realitäten am eigenen Leib erlebt hat. Das hilft flexibler zu sein und sich mehr vorstellen können. Und es hilft dabei zu unterscheiden, welche Probleme eher vom System verursacht werden und welche eher von persönlichen Dynamiken Einzelner.
  • Praktische Erfahrung hilft dabei Vertrauen und Respekt bei Anderen aufzubauen, die für die Scrum Master Tätigkeit ohne Autorität so wichtig sind.

Lernen in Scrum Trainings und bei Zertifizierungen

CSM-LogoIn grundlegenden Scrum Master Schulungen wie dem CSM® (Disclaimer: Wir bieten sie auch an) kann man:

  • Ein fundiertes und klares Verständnis für Scrum und seine Prinzipien entwickeln,
  • verstehen wie die 6 aufgeführten Tätigkeiten zusammenwirken,
  • sich in der Anwendung von einigen Grundwerkzeugen eines Scrum Masters, insbesondere in Facilitation, üben.

Wir haben an anderer Stelle bereits über weiterführende Scrum Zertifizierungen geschrieben. Hier kann man seine Fähigkeiten durch persönliches Coaching, Arbeiten in Peer-Groups und weitere Trainings entwickeln.

Lernen auf Meetups, Konferenzen und Camps für Scrum / Agile

In vielen Städten gibt es Meetups zum Thema Scrum und Agile, wo man andere Menschen treffen kann, um sich über Herausforderungen auszutauschen und wo man neue Werkzeuge oder Einsichten kennen lernen und manchmal direkt ausprobieren kann.

Es finden jedes Jahr sehr viele Konferenzen und Camps rund um die Themen Agile oder Scrum statt. Auf Konferenzen kann man in der Regel sehr gute Speaker erleben die in 45-90 minütigen Häppchen Wissen, Können oder Haltung vermitteln.

Während auf einer Konferenz typischerweise 500 Menschen und mehr sein können, sind es in Agile Camps eher 30-40. Das ermöglicht ein vertieftes Arbeiten mit seinen eigenen persönlichen Herausforderungen.

Es gibt auch immer häufiger das Format eines Barcamps oder der Open-Space Konferenz. Diese haben häufig 50-150 Teilnehmer und sind damit etwas zwischen einer klassischen Konferenz und einem Agile Camp.

Der Vorteil dieses Lernens bei Veranstaltungen ist, dass man hier in der Regel Input von anderen erfahrenen Experten bekommt und es geht dabei konkret um Agile oder Scrum. Hier ist es möglich über alle hier vorgestellten, Tätigkeiten, Fähigkeiten und Haltungsfragen zu lernen. Das Lernen bei den späteren hier vorgestellten Lernmethoden braucht mehr eigene Transferleistung auf die Tätigkeit im agilen Kontext. Gleichzeitig baut man mit der Zeit ein Netzwerk auf, von dem man lernen kann.

Lernen durch Lesen und Videos

Es gibt viel Material für Scrum Master im Internet und in Buchform. Sie sollten sich insbesondere als ein angehender SM nicht scheuen viel Zeit mit Lernen zu verbringen, um sich auf die vor Ihnen stehenden Herausforderungen (Meeting-Moderation etc.) vorzubereiten. Schließlich betreiben sie damit Wissensarbeit, damit sind sie auch ein gutes Vorbild für ihre Teammitglieder sein können.

Lernen in Ausbildungen als Coach, Facilitator, Trainer oder Mediator

Viele der Fähigkeiten und der Tätigkeiten kann man auch außerhalb des Agilen Kontexts in formalen Ausbildungen lernen. Die Ausbildungen sind alle sehr verschieden und häufig überschneiden sich die Inhalte. Man lernt z.B. in einer Trainerausbildung oder als angehender Facilitator auch einiges über Coaching. Im Folgenden wollen wir nur eine kleine weitere Liste von Stichworten anführen, um Ihnen eine mögliche eigene weitere Suche im Internet zu erleichtern.

Ausbildungen rund ums Coaching und Training: Systemisches Coaching oder Training, Integrales Coaching, NLP (Neuro-Linguistisches Programmieren)

Ausbildungen rund ums Thema Kommunikation und Mediation: Gewaltfreie Kommunikation (GFK) oder auch NLP.

Meditieren

In der Meditation lernt man in der Regel sich selbst zu beobachten und seinen Geist zu kontrollieren. Das hilft dabei in schwierigen Situationen fokussiert bleiben zu können und um beim Beobachten das tatsächlich Stattfindende von der eigenen Interpretation zu unterscheiden.

Abschluss

In diesem Beitrag haben wir sehr viele Eigenschaften, Fähigkteiten und Skills eines aus unserer Sicht großartigen Scrum Masters beschrieben. Uns liegt es sehr am Herzen die Tätigkeit des Scrum Masters, insbesondere für Menschen die neu mit Scrum in Berührung kommen, verständlicher und anfassbarer zu machen. Das was wir hier beschreiben ist, aber eher als eine erreichbare aber ferne Vision zu verstehen. Bereits mit einer kleinen Teilmenge, der hier beschriebenen Tätigkeiten, kann ein SM bereits viel Mehrwert für sein Unternehmen erbringen.

Ein guter Start ist gegeben, wenn sie mindestens:

  • Scrum in der Tiefe verstanden haben,
  • die Haltung eines Coaches einnehmen können, der auf die gemeinschaftliche Verantwortung seines Teams fokussiert ist und diese fördert
  • und einige Facilitationstechniken beherrschen, um ihrem Team bei den typischen Herausforderungen wie schätzen, entscheiden, analysieren oder gemeinsames planen zu helfen.

Wenn Ihnen dieser Artikel weitergeholfen hat, würden wir uns über eine Erwähnung in den sozialen Medien oder Blogs sehr freuen. Und hier finden sie einen detaillierten Beitrag über den Product Owner.

Verwendete Bilder stammen entweder von uns selbst (alle abgelichteten Personen haben ihr Einverständnis erteilt) oder sind Bilder von pixabay.com, die für die referenzfreie Verwendung freigegeben wurden.

Trackbacks/Pingbacks

  1. Agile Coach was heißt das? - […] in diesem Rahmenwerk Scrum Master. Wir haben in einem sehr ausführlichen Blog-Beitrag über den Scrum Master geschrieben. Dort findet…
  2. Agile Coach Ausbildung - Wie wird man zum agilen Coach - […] unserer Sicht unerlässlich, dass ein Agile Coach zumindest genau versteht wie die Rollen – Scrum Master und Product Owner…

Kommentieren

Kommentare bitte per Twitter an @Coach_Agile senden.