Scrum Master Training als erster Schritt zum Agilen Coach

By am 15.08.2017 in Agile, Scrum

Aus meiner Sicht ist ein Scrum Master Training einer der besten ersten Schritte hin zu mehr Verständnis von Agilität und dazu irgendwann ein Agiler Coach zu werden. Ein Agiler Coach ist vor allem jemand, der die Prinzipien hinter der Agilität verinnerlicht hat und Organisationen dabei helfen kann, diese Prinzipien anzuwenden. Ein Scrum Training ist ein Kickstart in die Welt dieser Prinzipien und der damit verbundenen Praktiken.

Trainingteilnehmer spielen ein Spiel

Spiel im Training

Persönliche Erfahrung

Als ich das erste mal von Scrum hörte und darüber lass, habe ich es kein bisschen verstanden. Ich dachte, Scrum Master sei sowas wie ein Hauptentwickler, der Aufgaben an die anderen verteilt. Und Product Owner muss jemand sein, der gut im “Produkt” ist, was auch immer das heißt. Damals dachte ich Produkt sei vor allem an UI/UX und Architektur – junger StartUp CEO eben… 

Meine Missverständnisse lagen gar nicht an der Qualität der Texte, die ich gelesen habe. Sie lagen vor allem daran, dass ich gar nicht offen dafür war, zu verstehen auf welcher Denkebene Scrum ansetzt.

Bei mir fiel der Groschen im Training (erst einer, dann der andere und dann noch viele mehr). In Spielen und Übungen konnte ich erstmal selbst ohne darüber nachzudenken agieren und dann mein Handeln und das meiner Gruppe reflektieren.

Warum Scrum

Scrum ist an sich sehr einfach 3 Rollen, 5 Aktivitäten, 3 Artefakte (3-5-3). Erst jetzt, wo ich mich viele Jahre lang damit beschäftigt habe und in vielen verschiedenen Organisationen erlebt habe, fühle ich die verschiedenen Prinzipien dahinter und wie mächtig sie sind.

Solche Prinzipien aus meiner Sicht sind: Selbstorganisation, Teams vs. Gruppen, Empirische Kontrolle, Pull, Feedback-Loops, Queueing Theorie, Trennung der Problem- und Lösungsdomäne, Facilitation, Systems Thinking

Diese Prinzipien sind genau das, was man im Training lernt zu verstehen und in seiner eigenen Umgebung zu sehen und anzuwenden. Scrum selbst, also die 3-5-3, sind aus meiner Sicht der Anfang der Reise zur kontinuierlichen Selbstverbesserung einer Organisation, nicht dessen Ende. Eine Agile Organisation passt sich ständig an, wenn man nach 6 Monaten wieder kommt, gibt es immer völlig neue Dinge. Aber die Prinzipien der Agilität bleiben weiterhin bestehen.

Praktiken

Es gibt sehr viele konkrete Praktiken, wie zum Beispiel User Stories oder spezifische Formate in Retrospektiven oder Facilitationstechniken. Das sind die Werkzeuge die Organisationen anwenden können. Ein Agiler Coach sollte sicherlich eine Menge davon kennen und man lernt auch einige einem typischen Scrum Training kennen um einen “Werkzeugkoffer” für den Start zu haben. Praktiken kann man sich aber auch bei vielen anderen Veranstaltungen und Literatur aneignen. Wenn man die Prinzipien verstanden hat

Scrum Training statt Buch lesen

Im Training hat man die Möglichkeit mit einer Gruppe unmittelbar Erfahrungen zu sammeln, es ist ein kleines soziales Labor. Hier macht man gemeinsam Experimente und lernt daraus. Um so viele verschiedene Gruppensituationen zu erleben, braucht es in der Praxis viele Jahre, denn häufig ist die Arbeitsumgebung sehr stabil: ähnliche Hierarchiestrukturen, ähnliche Art der Aufgabenverteilung.

Das ist aus meiner Sicht der Hauptgrund warum sich aus meiner Sicht der Besuch eines Trainings lohnt. Man lernt einfach durchs Erleben und das ist anders als durch das Lesen/Hören oder Sehen in Blogs, Büchern, Youtube, etc. Und man hat die Chance Situationen zu erleben, zu denen man ohne das Training gar keinen Bezug gehabt hätte.

Disclaimer: Natürlich habe ich auch ein kommerzielles Interesse daran, dass Menschen Scrum Trainings besuchen. Wir führen selbst Scrum Trainings durch. Und wir machen es eben auch aus der Überzeugung, dass es etwas Gutes ist.

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