Agile Coach Ausbildung – Wie wird man zum Agile Coach?

Wie wird man Agile Coach? Diese Frage hat gerade Hochkonjunktur. Wir können hier keine endgültige oder alleingültige Antwort darauf liefern, sondern beschreiben vielmehr unsere aktuellen Gedanken dazu. Dein “heiligen Gral” des agilen Coaching haben wir noch nicht erreicht, aber wir haben ein gutes Stück Weg zurückgelegt und möchten mit diesem Artikel, anderen auf ihrem Weg helfen.

Wer wissen will, was aus unserer Sicht eigentlich ein Coach für Agilität ist, liest unseren Beitrag Agile Coach.

Diese Tür öffnet sich nach innen

Wie ein großartiger Mentor von uns – Martin Alaimo – es mal sehr schön zum Ausdruck brachte: Die Tür zum Coach öffnet sich nach innen. Und das bedeutet, bevor wir reingehen, müssen wir erstmal einen Schritt zurück machen und uns selbst einige Fragen stellen, darunter:

  • Aus welchen Gründen möchte ich Agile Coach werden?
  • Woran werde ich erkennen, dass es eine gute Entscheidung war?
  • Welche Denkmodelle habe ich und welchen Werten folge ich, wenn ich mich entscheide Agile Coach zu werden?

Je klarer ich mir über meine eigene Motivation und die dahinter stehenden Beweggründe werde, umso authentischer bin ich in meiner Haltung. Die Kunden werden diese Fragen nicht direkt stellen, aber meine Haltung werden sie spüren. Eine authentische Haltung zu sich selbst erlaubt es, leichter mit Kritik, Ablehnung und Unzufriedenheit umzugehen. Und sie erleichtert es, Selbstzufriedenheit zu erfahren.

Fachwissen und Fertigkeiten

Es gibt sehr viel Fachwissen und Fertigkeiten, die ein Agile Coach für seine Tätigkeit braucht. Wir finden das Agile Coaching Competency Framework von Agile Coaching Institute ein hilfreiches Modell dafür.

Agile Coach Ausbildung ein Framework für Fertigkeiten

Es bietet drei Vertiefungsrichtungen für Fachwissen:

  • Technische Expertise
  • Business-Expertise
  • Expertise in Transformationsprozessen

und vier grundlegenden Fertigkeiten:

  • Teaching
  • Mentoring
  • professionelles Coaching
  • Facilitation

Und es verlangt, dass man den eigenen Werten und Modellen selbst folgt und sie aktiv praktiziert.

Erfahrung

Um es salopp zu sagen, wir glauben nicht, dass man als Agile Coach von der Universität kommt. Zumindest haben wir bis heute keine solche Ausbildung gesehen. Erfahrung ist wahrscheinlich eine der wichtigsten Komponenten, die einen guten Agile Coach ausmachen.

Viele Organisationen erfahren

Ein guter Agile Coach hat sehr viele verschiedene Organisationen von innen erlebt. Jede Organisation fühlt sich von innen sehr einzigartig an. Verschiedene Dinge sind selbstverständlich oder vollkommen undenkbar. Das sind einige der Aspekte einer Unternehmenskultur. Für Menschen innerhalb des Unternehmens fühlen sich diese Dinge sehr fest und stabil an. Die Erfahrung viele Organisationskulturen von innen erlebt zu haben, ermöglich es, eine eigene innere Flexibilität aufzubauen.

Eine ähnliche Erfahrung machen viele Menschen im jugendlichen Alter, wenn sie eine anderen Familie als die eigene aus der Nähe erleben. Beispiele sind die Familie eines Partners oder eines sehr engen Freundes mit der man eine Urlaubsreise macht. Welche Regeln gelten dort im Umgang miteinander und welche Verantwortlichkeiten gibt es? Wie wird Kritik geübt? Wer spricht wie viel? Wer stellt Fragen? Welche Themen dürfen offen angesprochen werden und welche nicht? Ähnlich sind die Unterschiede zwischen verschiedenen Organisationen.

Viele Arbeitssysteme fachlich erfahren

Ein agiler Coach beobachtet Organisationen in Aktion und erkennt Systematiken, die einen kontinuierlichen Einfluss auf den Erfolg der Organisation haben. Hier muss man das theoretisches vorhandenes Fachwissen über Agilität mit der Erfahrung und dem fachlichen Verständnis davon, was da wirklich passiert, verbinden. Hat man etwas Wichtiges erkannt, kommt es darauf an wie man es kommuniziert und darauf, dass man es kommuniziert.

Komfortzone und Kommunikationsfähigkeiten

Viel von dem, was man als Agile Coach macht, geht über die Grenzen dessen hinaus, was innerhalb der eigenen Komfortzone liegt. Oder zumindest ist es am Anfang so. Es ist zum Beispiel wichtig, seinem Auftraggeber auf Augenhöhe zu begegnen und manchmal auch für ihn unangenehme Fragen zu stellen.

Hier hilft einerseits die eigene Haltung, die man sich vorher bewusst gemacht hat, siehe oben. Ein wichtiger Teil dieser Haltung ist für uns die ehrliche Neugier und das Eingeständnis, nicht alles zu wissen. Selbst wenn der Kunde gern einen allwissenden Berater vor sich hätte.

Doch es gibt auch einige Kommunikationswerkzeuge, die helfen, schwierige Nachrichten rüberzubringen. Zum Beispiel: Offene Fragen, Gewaltfreie Kommunikation, NLP, Clean Language – um einige zu nennen.

Für fast alle Menschen ist es mit Überwindung verbunden, in einen Kontakt mit anderen Menschen zu treten, der für den anderen möglicherweise nicht angenehm ist. Es droht die Gefahr der Ablehnung. Es gibt Orte, an denen man solche Interaktionen spielerisch erleben kann und so die Angst abbaut. Wir denken zum Beispiel an Impro-Theater oder Contact-Improvisation oder bestimmte Tanzformen.

Scrum als erster Schritt

Scrum ist ein Rahmenwerk für Prozesse in einer Organisation, eine mögliche Art, agil zu sein. Jedoch ist Scrum eine der am weitesten verbreiteten Ansätze, weshalb man dabei sehr viel Praktisches lernen kann. Aus unserer Sicht ist es unerlässlich, dass ein Agile Coach zumindest genau versteht, wie die Rollen – Scrum Master und Product Owner und funktionsübergreifendes Entwicklungsteam – im Detail funktionieren (hinter den Links finden sie unsere Blogbeiträge dazu). Hier hilft es natürlich, entsprechende Trainings zu machen.

Zertifikate

Verschiedene Zertifikate unterschiedlicher Organisationen signalisieren einem potentiellen Auftraggeber, dass er es mit einem erfahrenen Agile Coach zu tun hat. Die weltweit mit Abstand renommierteste Zertifizierungsorganisation ist die Scrum Alliance (Disclaimer: Wir bieten Trainings von dieser Organisation an). Eine andere ist zum Beispiel die ICAgile, sie hat ein vergleichbares System.

  • Einsteiger Zertifikat Certified Scrum Master® von Scrum Alliance oder das Agile Team Facilitation(ATF) von ICAgile.
  • Zertifikat welches mindestens 3 Jahre Arbeitserfahrung und nachhaltige kontinuierliche Weiterentwicklung nachweist ist Certified Scrum Professional® von Scrum Alliance oder Agile Coach(AC) von ICAgile .
  • Zertifikat für fortgeschrittene Agile Coaches ist das CTC® oder CEC® von der Scrum Alliance oder ICE-AC von ICAgile.

Wir bieten Trainings für das Basis Zertifikat der Scrum Alliance an: Scrum Master Training – CSM® und Product Owner Training– CSPO®. In unseren Trainings lernen sie die theoretische Grundlagen kennen und wenden diese direkt aktiv an.

Für Führungspersonen oder Coaches, die Führungspersonen unterstützen wollen eignet sich auch unser Certified Agile Leadership Training. Mehr dazu hier.

Wo erlernt man die notwendigen Fähigkeiten

Ein wichtiges Element unserer eigenen Wachstums als Agile Coach ist der Austausch in Gruppen mit anderen angehenden Coaches. Natürlich kann man sich diese selbst organisieren oder es gibt sie in Unternehmen in denen man arbeitet. Sie sind auch Teil der weiterführenden Zertifizierungen, die oben erwähnt wurden.

Ein gutes Programm für Wachstum als Agile Coach mit einer langfristigen Gruppe von Gleichgesinnten ist die TrustTemenos Akademie.

Ein Coach lernt in Trainings, Agile Coaching Ausbildungen, Coaching Retreats, Meetups, User-Groups und durch Lesen und aktives Anwenden. Hauptsache ist, man praktiziert es auch. Passiv lassen sich diese Dinge alle nicht erlernen.

Wenn es die Leser interessiert, planen wir in weiteren Beiträgen über unsere persönlichen Entwicklungswege zu schreiben.

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