Rugby im Tagungsraum: ich live dabei im CSM® Training

By am 02.03.2019 in Allgemein, Scrum

…klingt erstmal nach Sportberichterstattung, ist es aber nur bedingt. Zwar werden Baumstämme – bildlich gesprochen – durch den Raum getragen, aber Rugby wird im Certified Scrum Master Training dann doch nicht gespielt. Also mit der Überschrift zuviel versprochen? Nein, Rugby kommt schon vor und sportlich wird’s auch. Ich wollte wissen, was ein Scrum Master so macht, und überhaupt: was ist Scrum eigentlich? Ein CSM® Training zu absolvieren, das auf die Prüfung für das Scrum Master Zertifikat vorbereitet, ist da schon mal ein guter Anfang. Also habe ich eines besucht…

…und fand mich in interessanter Runde wieder: Leute aus der Logistik, aus Behörden, Agenturen, Medien, Banken und natürlich auch aus der IT-Branche, die wollten alle agile arbeiten? Ehrlich gesagt, hatte ich im Scrum Master Training nur Geeks erwartet. Denn schließlich ist Scrum entstanden aus der agilen Softwareentwicklung, bei der das Entwicklungsteam sich selbst organisiert. Doch scheinbar wollen alle heute agiler werden, agile sein und agile machen.

Ein wichtiger Tagesordnungspunkt ist daher für uns das „Agile Manifesto“. In den vier Lead-Zeilen steckt viel mehr, als man denkt: eine Akzentverschiebung in der Arbeitsweise, die geradezu revolutionär ist: das Team organisiert sich die Arbeit selbst! Wow! Ich war geflasht. Und das bezieht sich längst nicht mehr nur auf „funktionierende Software“, sondern gilt in der agilen Arbeit auch für „funktionsfähige Produkte“, d.h. Scrum resp. Agiles Arbeiten ist überall denkbar.

Neuronen-netzwerk

Dass das Team dabei die Hauptrolle spielt, erfahren wir im Training hautnah. Wir versuchen als Gruppe einen Bewegungsablauf mit Pingpong-Bällen zu optimieren. Unser „Scrum Master“ Anton, Certified Scrum Trainer, tritt einen Schritt zurück und lässt uns machen. Erstaunlich – es geht letztlich ohne Führung besser.

Auch ein anderes Beispiel macht deutlich, was das Team gemeinsam kann: Anton trägt einen Baum durch den Raum – bildlich gesprochen. Den legt er als Teil eines Teams nicht an der besprochenen Stelle ab. Hat das Team die Stelle für den Baum gemeinsam ausgesucht, so fühlt sich jedes Team-Mitglied ermutigt, Anton selbst darauf aufmerksam zu machen – gegebenenfalls mit dem nötigen Nachdruck. Gibt es einen Architekten, der allein entschied, den Baum an die gleiche Stelle zu legen, schweigt das Team, denn der Architekt ist ja da, der wird Anton schon sagen, dass er den Baum an der falschen Stelle abgelegt hat.

Dass das Team, und zwar jedes einzelne Mitglied, sich selbst verantwortlich fühlt und keine Verantwortung delegiert, ist ein unglaublicher Gewinn und mein ganz großes Learning vom ersten Tag. Selbstorganisiert und hochmotiviert! Endlich habe ich verstanden, wie das geht.

Doch zurück zur Ausgangsfrage: Was ist eigentlich Scrum? Keine Methode, wie Ken Schwaber und Jeff Sutherland immer wieder betonen, sondern nur ein Framework. Ein deutsches Wort „Rahmenwerk“ gibt es nicht, was also genau ist gemeint? So wie ich es verstanden habe, ist es die Verabredung für ein Spiel. Drei Rollen gibt es und Artefakte und Aktivitäten. Und was kommt da am Ende raus, wenn alle spielen? Selbstverständlich ein benutzbares Produktinkrement, das die Stakeholder glücklich macht.

Ja, und schließlich wird es doch noch sportlich: Im „Live Scrum“ durchlaufen wir Sprint Planning, Daily Scrum, Product Backlog Refinement, Sprint, Sprint Review und Sprint Retrospektive. Der Scrum Master, um den es hier ja geht, ist derjenige, der die anderen unterstützt, mit Scrum zu arbeiten. Er beherrscht die Klaviatur der Events und Artefakte bis ins Feinste, er dient dem Team und führt es zu Höchstleistungen. Was für eine tolle Aufgabe!

Am Abend des zweiten Trainingstages bin ich erschöpft und glücklich. Ich habe eine Art zu arbeiten kennengelernt, die ich nicht kannte, die vielleicht in manchen Glücksmomenten bei der Arbeit mal durchschien, sie bewusst mit einem “Framework” wie Scrum herbeizuführen … Toll!

Es ist ein großer Gewinn, dies alles tatsächlich zu erfahren und nicht in einem Buch oder einem Blog darüber zu lesen. Ein Certified Scrum Master Training ist der Kick-Off in eine neue Agile Arbeitsweise. Für einen Selbst, für die Arbeit mit anderen, für die Arbeit für andere. Die Online-Prüfung für das Zertifikat bei der ScrumAlliance danach ist jedenfalls ein Klacks und verliert für einen selbst – ob der gewonnenen Erkenntnisse – auch mächtig an Bedeutung. Wobei: ist ja doch schön, das Zertifikat letztlich in Händen zu halten. Ohne das Training hätte ich die Prüfung niemals bestanden.

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