Wozu dient eine Scrum Zertifizierung?

By am 28.06.2018 in Agile, LeSS, Scrum

Dieser Beitrag beschreibt vor allem die Scrum Zertifizierungen von der Scrum Alliance und der LeSS Company, für die wir selbst Trainings geben. Es gibt auch viele andere Organisationen wie ICAgile, Scrum.org und viele kleinere, weniger bekannte Zertifizierungsanbieter.

Scrum Zertifizierung – Wozu gibt es sie?

Aus meiner Sicht gibt es vor allem drei Gründe für eine Scrum Zertifizierung:

  1. Der unmittelbare Grund: Für mögliche Arbeitgeber oder Auftraggeber kann ein Zertifikat die Kompetenz eines Bewerbers bestätigen oder unterstreichen. Für mich selbst und Menschen in meinem Netzwerk kann ich diese Wirkung definitiv bestätigen.
  2. Lernen von zertifizierten Trainern: Lernen im Training ist viel wertvoller und konzentrierter als in allen anderen Umgebungen. Und genau hier spielt die Zertifizierung eine wichtige Rolle – aber anders: Der Zertifizierungsanspruch dreht sich um. Man möchte als Teilnehmer einen kompetenten, zertifizierten Trainer haben. Als Teilnehmer habe ich in meinen ersten formellen Scrum Trainings manche Dinge erst wirklich verstanden, von denen ich vorher glaubte, sie schon Jahre lang vollständig verstanden zu haben. Dieses neuerlangte tiefe Verständnis ist auch das, was mir als größter Mehrwert von vielen Teilnehmern gespiegelt wird. Es gibt einem Anwender einen deutlich festeren Halt in einer Materie, in der es so viele Halbwahrheiten gibt.
  3. Zertifizierung als Pfad: Bei weitergehenden Zertifizierungen, dient die Zertifizierung eher als eine Landkarte mit einem Netz aus gepflasterten Straßen. Sie hilft zum Ort der nächst-höheren Kompetenz zu kommen. Diese Zertifizierungen beinhalten Dinge wie gegenseitiges Coaching in Gruppen, Konferenzteilnahmen, Lesen, Community-Engagement etc. Natürlich kann man auch davon abweichen oder all diese Dinge ohne die Landkarte tun. Aber es ist viel leichter, wenn der Pfad vorgezeichnet ist und z.B. die Gruppen professionell organisiert werden. Der Anspruch den die Macher einer Zertifizierung an sich selbst haben, ist einen hilfreichen Pfad aufzuzeigen und ihn leichter begehbar zu machen.

Scrum Zertifizierungen – Basisniveau

Die Scrum Alliance bietet 3 verschiedene Basis-Scrum-Zertifikate an:

  • Certified Scrum Master CSM®
  • Certified Scrum Product Owner®
  • Certified Scrum Developer®

Diese Zertifizierungen erhält man nach dem Besuch eines Trainings und im Falle von CSM® nach Absolvieren eines anschließenden Tests. Für CSD® müssen insgesamt fünf Tage investiert werden, bei den anderen sind es mindestens zwei. Wichtig ist: Dieses Zertifikate bestätigen nicht die Arbeitserfahrung in der Rolle, für man zertifiziert wird. Als Trainer kann ich zwar sagen, dass über 50% aller Teilnehmer bereits die Rolle, für die sie im Training sitzen, einnehmen oder es direkt nach dem Training tun, aber garantieren kann ich es nicht. Die Basis-Zertifikate bestätigen vor allem, dass man sich die Zeit genommen hat, eine formelle Bildung in den theoretischen Grundlagen von Scrum zu erhalten. Und sie öffnen Wege für weitergehende Entwicklungsschritte.

Scrum Zertifizierungen – für Fortgeschrittene

Für die beiden Rollen – Product Owner und Scrum Master bietet die Scrum Alliance Advanced-Zertifizierungen an. Der Pfad für Produkt-Entwickler befindet es sich im Moment noch in der Entwicklung. Ein Schaubild:

Scrum Zertifizierung – Die verschienden Entwicklungspfade

Um die Zertifizierung Advanced Certified ScrumMaster (A-CSM) bzw. Advanced Certified Scrum Product Owner (A-CSPO) zu erlangen, braucht man mindestens ein Jahr Erfahrung in der Tätigkeit im jeweiligen Bereich. Man geht dann durch ein Gruppen-Coaching mit virtuellen und Präsenzsitzungen, einem 3-tägigen Training für Fortgeschrittene und einer Menge erforderlichem Selbststudium.

Hier finden Sie die Lernziele für den A-CSM und hier für den A-CSPO.

Scrum Zertifizierungen – Large Scale Scrum

Hat man ein klares und festes Verständnis von Scrum in Umgebungen mit einem Entwicklungsteam, ist es ein guter Schritt zu verstehen, was mit Scrum in größeren Umgebungen passiert. Hier gibt es zwei Zertifizierungen: kurze – Certified LeSS Basics (CLB) oder die längere Certified LeSS Practitioner (CLP).

Je größer die Organisation in der die Arbeit stattfindet, umso größer ist der Einfluss eines Faktors auf jegliche Anpassungsfähigkeit dieser – Organisationsstruktur des Unternehmens. Was es in einem StartUp an Organisations- und Führungsdefiziten gibt, kann häufig durch die persönliche Beziehung geklärt werden. Umgehen mit Organisationsstruktur erfordert anderes Hintergrundwissen und -herangehensweisen.

In CLB wird man für dieses neue Denken sensibilisiert und versteht besser im Detail welcher neue Raum sich vor einem aufspannt. In CLP lernt man Werkzeuge des systemischen Denkens (und andere) kennen und wendet diese selbst an verschienden typischen Herausforderungen großer Produktentwicklungsorganisationen an.

Scrum Zertifizierungen – Scrum Professional Stufe

Hat man die Advanced-Stufe erreicht, gibt es im Prinzip einen von Außen ähnlich aussehenden Pfad, um die nächste Stufe – Certified Scrum Professional – zu erreichen. Man kann starten, wenn man mindestens 24 Monate Erfahrung mit der Arbeit in der jeweiligen Rolle nachweisen kann. Es gibt wieder Coachings in Gruppen, Präsenztraining und notwendiges Selbststudium. Das Niveau steigt.

Hier finden Sie die Lernziele für:

Scrum Zertifizierungen – Experten Stufe

Die Prozesse um Certified Scrum Trainer zu werden, sind lang und werden hier genauer beschrieben. Man braucht sehr viel nachgewiesene Trainingserfahrung und Empfehlungen anderer anerkannter Trainer, sehr viel praktische Erfahrung in Scrum in verschiedenen Rollen, viel Engagement in der Community, um sich als Trainer zu qualifizieren. Zum Schluss wird der Trainer-Kandidat von einer Gruppe von großartigen anderen Trainern anhand eines kleinen Trainingsteils, welches er vor Ihnen absolviert, beurteilt.

Um ein Certified Team Coach oder Certified Enterprise Coach zu werden, braucht es sehr viel nachgewiesene Coaching Erfahrung in diesem Bereich. Hier hat Timon eine Menge unserer Learnings von dieser Reise aufgeschrieben. Post 1 und Post 2.

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